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ROTAX MAX CHALLENGE, BRUCK/LEITHA (A), 04.10.2008

Finaler Showdown in Pachfurth oder Wie sich eine Serie für vielleicht immer verabschiedete.

Die Stimmung war ziemlich seltsam, als beim Finale der AKC das Gerücht durchs Fahrerlager eilte: „Gaiseder will aufhören!“ Dass der Serienveranstalter auch zugab, sich das ganze in dieser Form eigentlich nicht mehr antun zu wollen, hob die Stimmung auch nicht gerade, denn andere Veranstalter sind in Österreich derzeit nicht in Sicht. Und weil das ganze so traurig war, weinte auch der Himmel über Pachfurth und Umgebung.

Bericht: Georg Gruber, Fotos: Petra Klima


Aber mit Beginn der Trainings kehrte die übliche Routine ins Fahrerlager ein und auch der Himmel beruhigte sich. Es dauerte allerdings bis zu den Qualifyings bis die Strecke trocken war. Damit war auch die Aussagekraft der Trainigszeiten dem Niveau einer Jahrmarktwahrsagerin gleichzusetzen und so kam es in der Qualifikation doch zu der einen oder anderen Überraschung.

Streng nach Klassen geordnet liest sich der finale Samstag dann so:

Bambinis oder
Deutscher Nachwuchs sucht Anschluss in Österreich

Michael Waldherr aus Deutschland fühlt sich in der Bambini Challenge offensichtlich wohl. Vor allem wenn sie von Österreichern veranstaltet wird. Der junge Bayer – oder eher sein Umfeld – machte nur einen einzigen Fehler: Er fuhr nicht alle Rennen.



Im Qualifying allerdings zeigt Michael was er drauf hat und demolierte die Konkurrenz derart, dass man eigentlich schon mit zwei einsamen Laufsiegen von Waldherr rechnen musste.
Michael Schöllnberger hatte seinen Titel schon in der Tasche, aber in der Qualifikation das Setup seines Renngerätes noch nicht ganz im Griff. Mit Müh und Not konnte sich der bereits feststehende Bambinichamp in der ersten Reihe halten. Christoph Weber und Christopher Gröbmaier lauerten in Reihe 2.

Das erste Rennen verlief wie immer äußerst diszipliniert und der erwartete Start – Ziel – Sieg von Waldherr war bei weitem nicht so überlegen wie das nach dem Training zu erwarten war. Schöllnberger setzte Waldherr ständig unter Druck, in einen Fehler konnte er ihn aber nicht hetzen. Dahinter ging es etwas verschärfter zu, kämpften doch die Herren Alexander Supper, Christopher Gröbmaier, Christoph Weber und Josef Schöllerl um die Plätze 3 bis 6, die sie in eben dieser Reihenfolge in einem Zeitfenster von 0,936 sec (!) belegten.



Im zweiten Lauf machte sich – aus welchen Gründen auch immer – Nervosität breit im Starterfeld. Kevin Pieruzek´s Motor wollte schon nach dem ersten Lauf nach Hause und Josef Schöllerls Kart machte während des 2. Startversuchs schlapp. Übrig blieben nur noch 6 Karts und irgendwie fanden sich die jungen Piloten nicht ganz zurecht damit.

Der vierte Starversuch klappte endlich und dann lieferten sich die beiden Michaels ein sehenswertes Duell um den Sieg. Lediglich 0,163 sec fehlten Michael Schöllnberger diesmal auf Michael Waldherr. Auch im Mittelfeld wurde es eng, und während Christoph Weber noch einigermaßen sicher Dritter wurde, konnte sich Alexander Supper nur mit größter Mühe gegen Christopher Gröbmaier wehren.

Der Endstand bei den Bambinis sagt einiges über die Qualität des Nachwuchses aus. Michael Schöllnberger musste zwei 2.Plätze streichen so überlegen war der Oberösterreicher heuer unterwegs. Man darf gespannt sein, wo man von dem jungen Mann in nächster Zeit wieder hören wird.



Christopher Gröbmaier schaffte es heuer zwar nur dreimal aufs Stockerl, aber konstante Leistungen tragen eben auch ihre Früchte und so darf sich der Deutsche über den Vizetitel freuen.
Knapp aber doch musste sich Alexander Supper mit Platz 3 zufrieden geben. Die Streichresultate machten den Unterschied sonst wäre er der Vizechamp 2008 geworden.


Rotax Max Junior Challege
oder
Wo ist Norbert Haug?

Im Frühjahr dieses Jahres meinte der Mercedes Sportchef in einem Interview zum Thema warum keine Frauen in der Formel 1 zu finden seien, wörtlich: „Es fehlt der Unterbau im Kartsport!“

Nach diesem Samstag könnte man Herrn Haug entgegenhalten: „Es fehlt der Wille die verchromte Glasburg zu verlassen und sich entsprechend zu informieren!“
Denn in den Rotax – Junior Rennen gab es einen Mädchenanteil von mehr als 30%, nur Norbert Haug war weit und breit nicht zu sehen.



Ferenc Kancsar war angereist um den prall gefüllten Titelsack zu zumachen aber er wusste auch um die Stärke der Lokalmatadorin. Sandra Simbürger, auf dieser Strecke Saatsmeisterin, fuhr im freien Training keinen Meter weil die Strecke nass war. Das hinderte sie nicht daran im Qualifying in der letzten Runde die Polezeit hinzuknallen und freundlich aus dem Helm zu lächeln.



Im ersten Rennen wurde das Lächeln allerdings etwas verbissener, denn die schnelle Blondine aus Berndorf wurde von Julian Wagner gehörig unter Druck gesetzt. 0,179 sec betrug der Vorsprung auf der Ziellinie und das Lächeln war nachher, hmm, sagen wir etwas eisig. Wagner konnte durchaus zufrieden sein und Mario Novak hatte einiges an Punkten auf Ferenc Kancsar gutgemacht, kam der Ungar doch nach einem Zwischenfall nur auf Platz 8 ins Ziel.

Dazwischen fanden sich auf den Plätzen 3 – 7 Corinna Kamper, Marcel Müller, Tobias Weichenberger und Florian Hauthaler, verpackt in 0,664 sec. Die Karts waren beim Zieleinlauf so eng beisammen, dass man sie ohne weiteres fast gleichzeitig auf einen Tischtennistisch bekommen hätte. Aber die Damen und Herren Rotax Junioren sollten es noch spannender machen.



Das zweite Rennen war sicherlich eines der Besten der heurigen Saison. Nicht nur, dass die Siegerzeit noch mal um 8 sec schneller war als im ersten Heat. Nein, es war auch spannend bis zum Schluss. Zunächst gab es eine kleine Startkollision die aber der Spannung der restlichen 18 Runden nur zuträglich war. Vorne weg raste zunächst eine Fünfergruppe angeführt von der Siegerin des ersten Laufs. Aber irgendwie oder irgendwo war der Wurm drinnen, weil Sandra Simbürger wurde nach und nach durchgereicht, auch wenn ihr Kart manchmal so breit wurde wie ein Flugzeugträger. Durch diese Kämpfe konnten sich Marcel Müller und Marc Aurel Coleselli vom Rest des Feldes etwas absetzen und lieferten sich an der Spitze einen sehenswerten Kampf um Platz 1, den letztlich Müller um 0,151 sec gewann.

Gesehen hat den Kampf aber so gut wie niemand, dann was sich dahinter abspielte, war so ziemlich das Schärfste was es seit Ben Hur zu sehen gab. Ständig wechselten die Positionen, niemand verhielt sich extrem unfair und am Ende rauschten Ferenc Kancsar, Julian Wagner, Mario Novak, Tobias Weichenberger, Sandra Simbürger, Corinna Kamper, Florian Hauthaler und Felix Diesel auf den Plätzen 3 bis 10 innerhalb von nur 1,117 sec über die Ziellinie. Mathematisch gäbe das einen Durchschnittsabstand von 0,14 zwischen den Karts.

Die Meisterschaft war damit ebenfalls entschieden und sah, nachdem alle ihre Nerven wieder unter Kontrolle hatten, so aus:

Der Ungar Ferenc Kancsar ist der neue Rotax Max Junior Champ 2008. Sechs Siege und drei weitere Podestplätze in 12 Rennen sprechen dafür, dass hier ein echter Racer Meister wurde.

Vizemeister wurde der Wiener Mario Novak. Er war der Einzige, der Kancsar bis zum Schluss fordern konnte, aber 2 Siege und 8 weitere Stockerln waren um eine Kleinigkeit zu wenig. Novak zeichnet aber sein ruhiger und unfallfreier Fahrstil aus. Sein schlechtestes Saisonresultat war ein fünfter Rang.

Sandra Simbürger muss sich mit dem dritten Gesamtrang in der Challenge begnügen. Aber so überlegen die Blondine in der Staatsmeisterschaft auch war, in der Challenge konnte die Amazone nur einmal siegen und zwei weitere Male aufs Podest rasen.



Ein Nachwort noch für Herrn Haug: In der Gesamtwertung finden sich insgesamt 5 junge Damen, nämlich neben Simbürger noch Corinna Kamper (P 6), Ines Gruber (P 19), Jessica Klima (P 21) und Julia Leopold (P 29, die ist sogar aus Deutschland). Sollten Sie, Herr Haug wieder mal den weiblichen Unterbau im Kartsport suchen – hier wäre er zu finden gewesen, wenn man nur gewollt hätte.


Minimax
oder
Wenn einer Pech hat, dann hat er Glück auch keines

Florian Wiesinger hatte nach dem dubiosen Zwischenfall am Pannoniaring lediglich 3,5 Punkte Rückstand auf Barbara Havasi. In ziemlich angespannter Stimmung – und das betraf nur Eltern und Betreuer, keinesfalls die jungen Kartpiloten – ging es also ins Qualifying, wo Jolly Joker Thomas Preining einmal mehr zeigte wie sehr er die Strecke in Bruck liebt. Der Sohn des Ex –Motorradinternationalen Andreas stellte sein Kart auf die Poleposition.



Schon in der ersten Kurve fiel die Titelvorentscheidung. Wiesinger, der mit Preining aus der ersten Reihe gestartet war, versuchte außen zu überholen, doch dann trafen sich die beiden Karts und Wiesinger lag im Kies, während der Rest des Feldes an ihm vorbeirauschte. Der Oberösterreicher legte zwar eine tolle Aufholjagd hin, mehr als Platz 6 war aber nicht mehr drinnen. Vorne ging einstweilen die Post ab.

Max Loidl – bei der Staatsmeisterschaft unter seinem Wert geschlagen – kämpfte das ganze Rennen hindurch mit Thomas Preining und lag die meiste Zeit auch in Führung. Im Ziel hatte jedoch dann Preining die Kartnase vorne. Barbara Havasi landete auf Rang 3 wodurch der Blutdruck ihrer Begleitung schon etwas abgesenkt wurde.

Lauf 2 wurde dann von einer Kollision nach der ersten Kurve unmittelbar nach dem Start abgebrochen. Ein Dreher artete zur Massenkollision aus, in die auch Barbara Havasi verwickelt worden war. Doch während am Kart der Ungarin nur Sachschaden entstand, wurde Patrick Schöller gottlob nur leicht am rechten Unterarm verletzt.

Das führte zum Rennabruch und zu einer Verschiebung des Rennens an den Schluss der Veranstaltung.
Schöller wurde wenige Minuten nach dem Unfall bereits aus dem Rettungswagen entlassen, verzichtete aber auf ein nochmaliges Antreten.

Beim Restart setzten sich Preining und Havasi sofort vom Feld ab, während sich Wiesinger erst von Startplatz 6 aus nach vor kämpfen musste. Das tat er bis zur letzten Runde wo er den auf Rang 3 liegenden Ralph Lintner beim Überholen so erwischte, dass die Rennleitung darin ein Unsportlichkeitsdelikt erkannte. Dadurch wurde Wiesinger um 30 sec strafversetzt, wodurch er erneut nur als 6. gewertet wurde.




Das Meisterschaftsergebnis liest sich damit wie folgt:

Die Minimaxmeisterin kommt aus Ungarn und heißt Barbara Havasi. Die junge Dame, die seit Herbst in Österreich zur Schule geht, siegte heuer 5mal und fuhr weitere 5mal aufs Podest.

Florian Wiesinger siegte heuer 3 mal, stand weiter 4 mal am Stockerl und hätte es am Schluss in der Hand gehabt. Mit ein bisschen Mentaltrainig wäre der Titel wahrscheinlich drinnen gewesen, denn fahrerisch hat es der Oberösterreicher ganz sicher drauf.

Wäre Thomas Preining die erste Veranstaltung mitgefahren, wäre die gesamte Meisterschaft anders verlaufen, weil es dann auch im ersten Rennen volle Punkte gegeben hätte. Dass der kleine Kerl Papas Geschwindigkeitsgene geerbt hat stellte er heuer ganz klar unter Beweis.


Rotax Max Challenge
oder
jetzt is fix

Imre Birizdo kam als Tabellenführer mit 9 Punkten Vorsprung nach Bruck. Heimgefahren ist er als der große Geschlagene.

Simon Wagner holte sich zunächst überlegen die Poleposition, während sich die ersten 3 der Tabelle auf den Plätzen 3 (Niki Laa), 5 (Sandro Lukovic) und 6 (Imre Birizdo) fanden.

Wagner stürmte auch gleich nach dem Start davon einzig verfolgt – aber nicht bedrängt – von Lukovic, der einen Raketenstart hingelegt hatte. Zu Lukovic gesellte sich nach einiger Zeit Laa, der den gebürtigen Bosnier zwar unter Druck setzen, jedoch nicht überholen konnte. Dahinter ging es mal wieder heftig zu und hinter Arian Butzbach kam mit Laura Kraihamer, die einzige Dame im Feld auf Rang 5 ins Ziel (für Herrn Haug: Laura startete von Rang 11). Überschattet wurde die Schlussphase des Rennens von einem heftigen Abflug des Debütanten Felix Raunegger, der glücklicherweise beim Einschlag unverletzt blieb. Das Kart dürfte aber ein Totalschaden sein.

Der zweite Lauf musste nach dem Start abgebrochen werden, da sich sage und schreibe 10 Karts ausgangs der ersten Kurve zum Gruppenkuscheln trafen. Eines warf dabei vor lauter Freude seinen Fahrer ab und auch zwei weitere waren wegen zu heftiger Knutschflecken nicht mehr einsetzbar. Leider erwischte es dabei mit Rainer Krenn auch den Führenden in der Classic-Wertung genauso wie Laura Kraihamer (Herr Haug hätte also ab da heimfahren können).



Beim Restart lief es wesentlich gesitteter ab und wieder setzte sich Simon Wagner souverän vom Feld ab. Erneut wurde Sandro Lukovic von Niki Laa bedrängt und Imre Birizdo lief auf Rang 4 ein.
Nach dem Zieleinlauf begann das Rechnen und plötzlich gab es Gerüchte. Man hörte zu rechnen auf, und den Offiziellen zu, und erfuhr dabei, dass an Simon Wagners Kart ein Datenaufzeichnungsteil gefunden worden war, der wohl nicht drauf sein durfte. Dadurch, oder besser durch dessen Art der Montage, kam es zur Disqualifikation des Oberösterreichers.

Die angekündigte Berufung wurde letztlich doch nicht eingelegt und Sandro Lukovic ist somit Meister. Damit hat der junge Mann, der in Wien zur Schule geht, heuer in Österreich alles gewonnen was es zu gewinnen gab: Staatsmeisterschaft und AKC.

Imre Birizdo konnte sich als Vizechamp eintragen, womit ein weiterer Ungar im österreichischen Kartsport seine Visitenkarte abgegeben hat.

Und Niki Laa konnte Rang 3 einnehmen und wird die heimischen Farben, neben Mario Novak als Junioren-Vertreter, beim Rotax Weltfinale, Ende November in Italien, repräsentieren.


Die AKC beendete damit die Saison 2008 und niemand weiß, was im nächsten Jahr kommt. Es ist schade, wenn eine qualitativ derart gute Rennserie so wenig Unterstützung bekommt und damit das Fördern talentierter junger Motorsportler unmöglich gemacht wird.
Aber auf Wunder wird man ja noch hoffen dürfen und außerdem ist in 11 Wochen Weihnachten.

Autorenverweis
ÖTSM: Familienfest in Rechnitz
Austrian Karting Challenge in Rotthalmünster
ÖM2009: Austrian Kart Open - Der Sonntag
AKC Pannoniaring: Pustaexpress
ÖTSM–Greinbach: Die 4-Takt Show geht weiter

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